Derselben Glasgower Künstlerclique wie Hudson Mohawke entsprungen, produziert auch Rustie einen avancierten Sound, der keinen Wert auf Genrezuweisungen legt
»Wanky«, strunzdumm, lautet die kurze Antwort von Rustie auf die Frage, wie er denn die Bezeichnung ›Wonky‹ für seine und die Musik seines Glasgower Gefährten Hudson Mohawke fände. Eine passende Antwort für einen Musiker, dessen Geheimnis darin besteht, musikalisch eine zarte Linie durch die verschiedensten Varianten von Clubmusik zu ziehen und damit also genau die Regionen zu besetzen, wo sich Dubstep, Hip-Hop und Electro treffen. »Zig Zag«, seine Aufregung verursachende Single aus dem Herbst des letzten Jahres, lässt geschälte Neptunes-Beats auf den Geschirrkasten von Flying Lotus prallen und bündelt als quasi zweite Ebene die Bässe zum Groove. »Dubstep for Supermodels« eben, wie die amerikanischen Zeitschrift XLR8R kürzlich einen Artikel über das Glasgower Künstlerkollektiv und Label LuckyMe betitelte, dessen Teil auch Rustie und Hudson Mohawke sind. 2002 von Musiker und Graphikdesigner Dominic Flannigan alias Dom Sum und einigen Freunden aus der Glasgow School of Art and Stereo ins Leben gerufen und mit einer Partyreihe manifestiert, ist LuckyMe heute das Zentrum eines Glasgower Kreativpools um Musiker, Künstler, Designer, Modemacher.Das ist natürlich ein optimaler Nährboden für den avancierten Sound der Stadt, experimentell und doch vereinnahmend. Russel Whyte ist einer der treibenden Kräfte dieses Stils, den er selbst einmal ironisch als ›Aquacrunkstep‹ bezeichnete. Der heutige Mittzwanziger ist früh mit Musik in Kontakt gekommen, hat in seiner Jugend ein bisschen Gitarre gespielt und dann schnell mit dem Produzieren begonnen. Zunächst Electro mit einem Kumpel unter dem Projektnamen Voltaic, dann als Rustie. Inzwischen kann er auf Veröffentlichungen auf Stuffrecords, Wireblock, Hyperdub und Up My Alley zurückblicken, hat Remixe für Modeselektor, Jamie Lidell oder Pivot angefertigt und wurde selbst – eine Art Ritterschlag – von Detroits Electro-Legenden Dopplereffekt geremixt. Wie Hudson Mohawke wird auch er zukünftig auf Warp veröffentlichen. Rustie sollte längst kein Geheimtipp mehr sein. Text: Sebastian Hinz Fotos: Christina Kernohan |

