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Moderat

»Auch nur Töne (ungekürzte Fassung)«

Unter dem so prag- wie programmatischen Namen Moderat haben die drei Berliner Musiker von Modeselektor und Apparat nun, sieben Jahre nach der ersten Zusammenarbeit, das langersehnte, gemeinsame Album veröffentlicht.

Man kennt sich seit einer halben Ewigkeit, hat bereits vor sieben Jahren gemeinsam eine EP veröffentlicht und dennoch: ein Selbstläufer ist das erste gemeinsame Album der beiden Spartenverweigerer Gernot Bronsert und Sebastian Szary (alias Modeselektor) und Sascha Ring (alias Apparat), nicht geworden. Während Modeselektor gerne mit Rave-Signalen, Dubstep-Brachialität und großer Feierei kokettieren, zeichnet Apparats Oeuvre eine gewisse Kontemplativität aus. Umso erstaunlicher wie homogen das – von einer ambitionierten DVD des Berliner Pfadfinderei-Kollektivs begleitete – Album »Moderat« angesichts der recht unterschiedlichen Soloarbeiten der beiden Parteien geworden ist…

HHV: Würdet ihr zustimmen, wenn ich behaupte, das Album klinge eher nach Spätherbst als nach Frühling?

Gernot Bronsert und Sebastian Szary: Absolut. Die Platte ist ja auch im Spätherbst bzw. Winter entstanden, als wir alle das Gefühl hatten, dass es jetzt einfach an der Zeit war die Sache anzugehen. Ursprünglich sollte sie ja auch im Winter erscheinen, aber wir wurden einfach nicht fertig. Es war uns von Anfang an klar, dass die platte ›dunkel‹ werden wird.

Sascha, was unterscheidet die Kooperation mit Ellen Allien, mit der du 2006 das vielbeachtete Album »Orchestra of Bubbles« aufgenommen hat, von der Zusammenarbeit mit den Herren Bronsert und Szary?

Sascha Ring: Bevor ich die Platte mit Ellen Allien gemacht habe, war ich der festen Überzeugung, dass ich völlig kollaborationsunfähig bin. Ellen hat mich gewissermaßen dazu gezwungen, permanent mit ihr im Studio zu sitzen. Ich habe gelernt über Musik zu sprechen und auch mal eine andere Meinung zu akzeptieren. Das war sozusagen die Grundvoraussetzung für Moderat. Als ich mit Ellen produziert habe, war immer ich der Typ an der Maus. Ellen koordiniert eher. Bei Moderat war das immer ganz unterschiedlich. Obwohl Gernot meistens die »Macht« hatte, weil der immer zappelig wird, wenn wer anders den Rechner bedient.

Gab es bestimmte Tracks, bei der die eine Partei die andere erst überzeugen musste? Gerade diese stark von Dubstep, Subbass und UK Garage beeinflussten Sachen wie »Rusty Nails« kannte man von der Rhythmik eher aus der Modeselektor-Ecke…

Sascha Ring: Ich denke gerade »Rusty Nails« ist ein Superbeispiel dafür, wie beides zusammengeht: das Dubstep-pige mit Apparat-Atmo! Ich hab ja deshalb diese Platte machen wollen, weil ich genau auf diesen Input scharf war und ich habe ihn fast immer mit offenen Armen empfangen. Ich stehe ja auch auf total unterschiedliche Musik. Das sind doch auch nur Töne in einer bestimmten Reihenfolge – egal ob bei Antony & The Johnsons oder Skream.

Darf man »Porc #1« als eure Hommage an Radiohead deuten?

Gernot Bronsert und Sebastian Szary: Das kann man so sehen. Doch gerade an »Porc« sind wir fast verzweifelt. Nach wochenlanger Arbeit, hatten wir insgesamt sieben Versionen von dem Song aufgenommen. Als wir mit der achten Version immer noch unzufrieden waren, teilten wir ihn und so entstanden »Porc#1« und »Porc#2». Es war nicht leicht jeden von uns mit diesem Song glücklich zu machen.

Die eine Hälfte von Shadow Dancer (fragt mich nicht welche) hat mal auf die Frage, was das Gegenteil von Genre sei, »Modeselektor« geantwortet. Ist das ein Kompliment, das ihr so unterschreiben würdet?

Gernot Bronsert und Sebastian Szary: Dann haben wir genau das erreicht, was wir erreichen wollten! Danke Shadow Dancer!

Wer außerdem wissen will, warum Björk und Thom Yorke den Modeselektor-Fanclub mittlerweile als Doppelspitze leiten und Apparat statt Postkarten lieber E-mails an Muddi schreibt, der möge sich die anschließenden Passagen, die im Schneideraum drauf gingen, aufmerksam einverlieben

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Hier die gekürzten Passagen:

Wart ihr ständig gemeinsam im Studio oder habt ihr hauptsächlich Spuren hin und her geschickt?

teils teils. anfänglich hat jeder für sich ideen entwickelt und skitzen vorbereitet. die meiste zeit jedoch haben wir wirklich zusammen im studio verbracht.

Ab wann war klar, dass Moderat doch kein rein instrumentales Projekt werden würde?

instrumental album oder nicht, diese frage hat sich uns nie gestellt! die vocals von paul st. hilaire in „slow match“ z.B. wurden schon im zuge des letzten modeselektor albums „happy birthday!“ aufgenommen und fanden erst für moderat verwendung. dieser Song war im übrigen auch einer der ersten, der fertig wurde…

Könnt ihr schon mal verraten, was man von der visuellen Umsetzung des Moderat-Projekts erwarten kann? Ihr arbeitet ja schon ewig mit der Pfadfinderei zusammen, was habt ihr euch dieses Mal ausgedacht?

es wird eine dvd mit 5 videoclips geben, die mit der deluxe variante erhältlich sein wird.
man kann einige snipplets davon auf unserer website moderat.fm zu sehen bekommen.
zeitweilig haben bis zu zehn leute an der moderat lp gearbeitet und fragten uns was wir da eigentlich los getreten haben….
ausserdem werden wir mit einem speziell für uns gebauten videosetup und eigenem stagedesign, gemeinsam mit den pfadfindern auf tour gehen.

Diese Fusion von Dubstep und Techno wird ja momentan sehr stark vorwärts getrieben. War das auch ein erklärtes Ziel mit diesem Album hier die Grenzen noch weiter zu verwischen?

ach überhaubt nicht. wir sind weit davon entfernt uns irgendwelche genres aufzuhalsen. aber natürlich ist eine gewisse beeinflussung kaum zu vermeiden gewesen. dubstep ist zumindest für uns modeselektoren eine musikalische innovation…

Wer stünde als nächstes auf eurem Zettel für ein Kollaborationsalbum?

das wird nicht verraten, sonst macht es ja keinen spass mehr.

Apropos: Wie macht sich Thom Yorke eigentlich so als Vorsitzender des offiziellen Modeselektor-Fanclubs? Gibt es da Pläne ihn zu stürzen und den Posten Björk zu übertragen?

ich glaube er macht sich ganz gut, auch wenn er auf solche titel gerne verzichten kann. björk würde dann so etwas wie die vizepräsidentin werden, wenn man so will! ne aber mal im ernst, manchmal ist das modeselektordasein schon so ziemlich unglaublich…

Modeselektoren, habt ihr Kenny Larkin eigentlich je darüber aufgeklärt, dass er beinahe euren Mix ruiniert hat?

nee noch nicht. als wir die mix CD „boogie bytes003“ aufnahmen, war er ja in der versenkung verschwunden und wir sind uns seid dem nie über den weg gelaufen. aber im sommer kreuzen sich bestimmt unsere pfade, er ist dann wie wir auch auf tour…

Sascha, schreibst du mittlerweile auch Postkarten an Muddi?

das mach ich in der tat viel zu selten. aber ich hab meiner mutter das internet “beigebracht” und emaile immer fleissig mit ihr. gerade eben hab ich ne mail von ihr bekommen mit nem foto vom garten weil da jetzt blumen blühen ;)

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Text + Interview: Florian Aigner

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