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DJ Kenny D

»Ganz großer Frauenfussball«

Kenny D hat sich längst im Bereich der Hip Hop-DJs zu einer internationalen Größe gemausert, produziert Mixtapes für M.O.P. und Keith Murray, ist offizieller Splash!-DJ und aktuell auf Dirk Duskes „Gut aufgelegt!“-Lehr-DVD zu sehen. Zeit für einen kurzen Plausch mit dem Chemnitzer Plattendreher und Phlatline-Artist.

HHV: Mahlzeit! Gib den Lesern doch bitte einmal ein paar Infos über dich und deine Arbeit.

Kenny D: Ich bin seit gut 10 Jahren mit dem DJing beschäftigt, seit 6 Jahren produziere ich zudem noch. Das Auflegen hat mich bis jetzt schon nach Moskau, Prag, Graz, Amsterdam und in so einige andere große Städte gebracht, außerdem spiele ich – so wie es zur Zeit aussieht – Ende Februar in Shanghai. Mit dem Produzieren war ich auch nicht ganz unerfolgreich und hab’s neben Tefla & Jaleel-Alben auch zu ein paar Aggro-Releases gebracht, wo ich mit einer Nummer davon Gold gegangen bin.
Dann gibt es noch einige Mixtapes, unter anderem die offiziellen Splash!-Mixtapes, das aktuelle und hochoffizielle M.O.P.-Mixtape mit Maxxx zusammen und natürlich die brandneue und allererste deutschsprachige DJ-Lehr-DVD von Dirk Duske und mir.

HHV: Was genau passiert auf den über 3 Stunden Spielzeit und inwiefern hast du bei „Gut aufgelegt!“ mitgewirkt?

Kenny D: Die DVD ist ein gemeinsames Projekt von Dirk und mir. Dirk hatte schon vor längerer Zeit ein Lehrbuch über das DJing geschrieben und jetzt fanden wir, dass es Zeit wäre, das Thema auf ein aktuelleres Medium zu pressen. Die DVD ist im Grunde genommen die Ergänzung zum gleichnamigen Buch.
Zum einen erklären wir in drei verschiedenen Kamerapositionen so ziemlich alle Skills, die Technik an sich, und gehen auf die MP3 Geschichte ein, zum anderen gibt es eine Doku über das DJing, wo beispielsweise Afrika Bambaataa, DJ Premier, Jezzy Jeff oder auch Sven Väth ihre Geschichte erzählen und einige Punkte diskutieren.

HHV: Woher kennst du Dirk, wie hat sich die Zusammenarbeit ergeben?

Kenny D: Dirk ist ein Chemnitzer DJ-Urgestein, daher kannten wir uns schon länger. Vor 1½ Jahren kam er dann auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht Bock auf so ein Projekt hätte. Da ich Dirks Buch schon gelesen hatte und ich die Idee, eine DVD dazu zu drehen unter „Ganz großer Frauenfussball“ verbucht habe, standen wir kurz danach auch schon vor der Kamera und haben die ersten Szenen gedreht.

HHV: Vor fast 10 Jahren hast du dein erstes Mixtape „You know C-Town“ releaset und dich von da an bis zum Splash!-DJ und gefragten Live-DJ für diverse Acts hochgearbeitet. Meinst du, es ist schwieriger, als Plattendreher erfolgreich zu sein statt als MC und Producer?

Kenny D: Ich denke, hier hat jeder seinen Rucksack zu tragen. Es ist total Salami, ob du als MC, DJ, Producer oder Handtuchhalter groß wirst, du musst einfach nur gut in dem sein, was du machst. Du musst eine gewisse Einzigartigkeit in dein Business einbringen, denn nur dadurch kannst du aus der Masse rausstechen. Es wird natürlich durch die ganze technische Entwicklung nicht einfacher, da sich mittlerweile jeder Serato zum auflegen holt oder sich Cubase zum produzieren runterlädt. Und danach dauert’s leider meistens nicht lange, bis sich Heinz-Harald mit dem Satz „Hi, ich bin DJ Double H und produziere gerade die nächste Nummer eins“ vorstellt. Aber im Grunde genommen war es als MC schon immer schwer, aber als DJ beziehungsweise als Produzent ist es nicht viel einfacher.

HHV: Mit was für Equipment bist du damals gestartet und was hältst du persönlich von Digital DJs, die bewaffnet mit MP3-Datenbank und entsprechender Soft- und Hardware arbeiten?

Kenny D: Haha, geil, mein erstes Equipment war der Hammer: ein gebrauchter Player inklusive System für 15 Mark und ’nen Omnitronik-Mixer für 20 Mark. Bei dem Player weiss ich bis heute nicht, welches Spitzengerät das war, aber ich weiss noch, dass ich den immer eine Woche auf der linken und eine Woche auf der rechten Seite stehen hatte, damit ich beidseitig üben konnte.
Das Ding mit den Seratos dieser Welt ist ja das: ich bin selber User und kann nur Positives darüber berichten. Der Sound stimmt, das Handling stimmt und du hast immer und überall alles dabei. Nur gibt natürlich Serato jedem Heinz-Harald dieser Welt die Möglichkeit, sich DJ zu nennen, was wiederum einigen talentierten Rookees den Zugang zu den Clubs versperrt.
Aber man sollte sich an den Gedanken gewöhnen, dass es in Zukunft wohl nur noch Serato geben wird und die Platten zu Hause im Schrank stehen bleiben. Das scheint aber auch von den Plattenfirmen gewollt zu sein, weil die ja kaum noch die Singles beziehungsweise die Alben ihrer Artists auf Vinyl pressen lassen. Ich meine, versuch mal, „Graduation“ von Kanye auf Platte zu bekommen!

HHV: Ein paar weitere Fragen, die Künstlern in „Gut aufgelegt!“ gestellt wurden: was macht für dich einen guten DJ aus?

Kenny D: Ein guter DJ weiß, wie er zu entertainen hat, er weiß, welchen Song er wo und wie lange zu spielen hat und das Grundlegende weiß er auch: er muss sein Handwerk beherrschen! Ich finde es ganz großes Kino, wenn hier und da ein paar Showeinlagen kommen, aber da muss der gute DJ auch wissen: wann, wie lange und welche Scratches er nimmt.

HHV: Was rätst du Leuten, die mit dem Auflegen anfangen wollen?

Kenny D: Ich denke das Beste für den Anfang ist, preiswerte Technik und viel Zeit mitzubringen. Preiswerte Technik aus zwei Gründen: 1. Wenn du auf einer Nachbaute einen Scratch beherrschst, dann kannst du ihn erst recht auf einem Technics. Das bedeutet auch, dass du ein viel besseres Gefühl für die Platte bekommst, was dir dann später bei schwierigeren Scratches hilft. Und 2.: Es sind viele gekommen und wieder gegangen und wenn man dann irgendwann feststellt, dass das doch nix für einen ist, dann hast du wenigstens noch ein bisschen Asche für neue Klamotten übrig.

HHV: Wie denkst du über die Zukunft der Tanz- und Club-Kultur?

Kenny D: Also meiner Meinung nach hat Rap den Höhepunkt erreicht. Ich meine, viel mehr als der größte Floor in jeder Dorf-Disse geht nicht, wa?! Aber das soll jetzt nicht „Hip Hop is dead“ bedeuten sondern einfach nur, dass es nicht viel weiter gehen kann. Mir persönlich würde es gefallen, wenn es viele Clubs und weniger Großraumdiscos geben würde, weil man in einem Club viel spezieller spielen kann und ich denke, dass genau das auch die Zukunft sein wird.

HHV: Du spielst ja hauptsächlich Rap-Platten, was steht aktuell auf deiner iPod-Playlist?

Kenny D: Ich bin zurzeit auf Freeway hängen geblieben, „Free at last“: was für ein Album!

HHV: Wo möchtest du einmal mit deiner Musik hin oder hast du mit deiner Position als Splash!-DJ schon alles erreicht, was du jemals erreichen wolltest? Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Kenny D: Nein, auf jeden Fall noch nicht: „Sky is the limit“! Wie gesagt, ich spiele wahrscheinlich Ende Februar / Anfang März in Shanghai. Das ist eine Große Bude, worauf ich mich schon riesig freue. Gerade eben wurde auch für Ende März Prag und Pilzen bestätigt, was auch ganz große Titte ist, denn ich hab die Tour vor kurzem schon mal mit DJ Maxxx zusammen gemacht.
Mit Maxxx zusammen hab ich auch gerade ein offizielles M.O.P. Mixtape releaset und wir wollen schauen, dass wir in der Richtung noch ein, zwei andere Kandidaten für ein Tape bekommen. Und dann würde es mir auch gefallen, wenn neben der Goldenen Schallplatte irgendwann noch eine hängt (lacht).

HHV: Ich denke als DJ kannst du das relativ gut beurteilen: wo gehen die Leute erfahrungsgemäß am Besten ab, das Splash! mal ausgenommen?

Kenny D: Dort wo ich bin (lacht)! Haha, nein, im Allgemeinen bei Soundclashs und Rock! Spiel mal Nirvanas „Smells like teen spirit“ auf einer Hip Hop-Party. Das ist “Party like a rockstar” wo nur noch das anpissen fehlt (lacht)!

HHV: Das soll’s dann auch schon gewesen sein. Hast du noch irgendwelche Dates für uns, die man sich merken sollte oder Botschaften für unsere Leser?

Kenny D: Ja, schaut ab und zu mal bei www.kennyd.de vorbei. Dort könnt Ihr euch über aktuelle Projekte wie das mit DJ Maxxx zusammen produzierte „M.O.P – The Return of the Warriorz“-Mixtape, die DVD und alles andere informieren. Mache Liebe lang und Free Willy!
Dank dir für’s Interview, bin draußen wie Blinddarm.

Interview: Christian Wolking

Fotos: Andre Forner

Phlatline Records im HHV-Shop